Mental gestärkt zur Matura - Wozu?

Liebe Schüler/Innen, sehr geehrter Herr Direktor, liebe Kollegen/Innen, liebe Gäste. Es ist für mich eine große Ehre und ebenso große Freude, heute Abend bei Euch sein zu dürfen, um mein Projekt erstmals öffentlich einem großen Publikum zu präsentieren.

Mein Name ist Carina Leichtfried, ich war 7 Jahre lang mit großer Freude als Professorin für Latein und Geschichte tätig, bin auch Mental- und Lerntrainerin, aber v.a. begeisterte Lebensleberin- falls es so ein Wort überhaupt gibt.

In meiner Arbeit mit den Schülern konnte ich immer wieder erstaunt feststellen, wie oft sehr motivierte und durchaus gelassene 7- Klässler über einen Sommer plötzlich zu gestressten und demotivierten 8. Klässlern wurden, die dem vermeintlich steigendem Druck auf einmal nicht mehr gewachsen zu sein schienen: MATURA - noch viel schlimmer ZENTRALMATURA- schwebte wie ein Damoklesschwert über ihren Köpfen, verdüsterte die sonst so heiteren Gemüter und zwang die jungen Menschen, ab dem 1. Schultag gedanklich stets bei den Prüfungen im Juni zu verweilen, anstatt sich gelassen Stück für Stück auf dieses Ziel zu zubewegen. 

Der allseits beliebte Maturaball zauberte zwischenzeitlich ein Licht in die verdunkelte Stimmung - und raubte uns Lehrern jegliche Möglichkeit eines sinnvollen Unterrichtens - doch kaum war dieser vorüber und der Kater vorbei, verdüsterte sich der Schülerhimmel wieder beträchtlich, denn:

"Frau Professor - ich habe keine Zeit! Keine Zeit für nichts - nicht für die Schule, nicht für meine Hobbys, nicht für meine Freunde, nicht für mich. Für gaaaaarrrrrrr nichts!"

 - "Und was machst du dann den ganzen Tag?"

"Na - ich habe keine Zeit!"

- "Erstaunlich."

Nach den sonst so geliebten Weihnachtsferien, die ob des eben erwähnten Zeitproblems diesmal nicht genossen werden können, wird die Katerstimmung noch unerträglicher, denn die jungen Leute haben sich das mit der VWA dann doch ganz anders vorgestellt. Ein bisschen kopieren aus dem Internet vielleicht ;-)? Nun erkennen sie den Ernst der Lage, die Nächte werden zum Arbeiten genutzt, die Schule zum Schlafen, denn- oweh:

"Frau Professor! Ich habe keine Zeit! Nicht einmal mehr zum Schlafen. Ich schaffe das nicht, ich wandere aus."

- "Und wo willst du hin?"

"Zu meiner Oma!"

- "Tatsache."

Irgendwie geht es sich dann ja doch wieder aus, die Arbeiten sind pünktlich fertig geworden und freuen sich darauf, präsentiert zu werden:

"Frau Professor! ich habe Angst vor dem Präsentieren, ich habe Angst davor, alles zu vergessen. ich hätte auswandern sollen!"

- "Du bist so großartig, das ist dein Thema, es sind deine Interesse, steh`auf und zeige, was du kannst!"

"Na gut. Wenn sie meinen. Muss ich eigentlich einen Anzug tragen?"

- "Ja, das wäre bitte schön."

Und dann, eines Tages, die schriftlichen Prüfungen sind vorbei und wurden doch ähnlich den bereits bekannten Schularbeiten empfunden, ist der sagenumwobene Tag im Juni dann da: Die MATURA! Die jungen Menschen sind ob des Lernstress` ein wenig bölass geworden, Puls und Atmung sind deutlich erhöht und der eine oder andere Kreislauf muss mit Traubenzucker gestärkt werden. 

"Frau Professor! Ich kann das nicht!"

"Frau Professor, ich muss noch schnell auf das Klo!"

"Frau Professor, meine Strumpfhose hat ein Loch!"

"Frau Professor, können sie mir einen Krawattenknoten binden?" 

Wahrlich eine sehr turbulente Situation:-) Dann geht es endlich los, die Fragen werden gezogen und meist souverän beantwortet und dann - 

"DAS WAR ES? Deshalb habe ich 9 Monate lang Stress gehabt, schlecht geschlafen, meine freunde vernachlässigt, bin beim Homöopathen gewesen, - deswegen?!!"

- "Äh, ja."

"Na gut. Dann gehen wir feiern."

Es wird mit Recht gefeiert und eines Abends trifft man sich zur feierlichen Zeugnisübergabe.

-"Herzliche Gratulation zur bestandenen Matura. Hier - bitte dein Zeugnis.!

"Danke - und was soll ich damit machen Frau Professor? Was soll ich jetzt eigentlich mit dieser Matura tun?"

- "Nun - einrahmen wäre eine Möglichkeit...."

Liebe Schülerinnen, liebe Schüler. Ein wenig überspitzt formuliert waren dies meine Erfahrungen, die ich in meiner Arbeit mit den Maturanten/innen machen durfte. Dadurch ist in mir der Wunsch entstanden, nicht nur meine eigenen Schüler ohne Druck und mit Freude und Leichtigkeit- jaja, das ist auch in Latein möglich :-) - zu ihrem Abschluss zu führen, sondern viele von euch in ganz Österreich. Und wisst ihr, was ich dann gemacht habe? ich bin zum Entsetzen meines gesamten Umfelds vor 2 Jahren aus dem Schuldienst ausgestiegen und habe unter anderem das Projekt Mental gestärkt zur Matura gestartet. Ohne Startkapital und ohne eine Ahnung, wohin mich dieser Weg führen wird. Mittlerweile habe ich ein Team von 20 Trainern/innen, die in 4 Bundesländern  in diesem Projekt arbeiten und auch mein Buch, das ich für euch geschrieben habe, ist fertig. Auf der ersten Seite des Buches findet ihr ein Maturazeugnis mit den Worten "herzliche Gratulation zur bestandenen Matura." Denn so ist- ihr alle habt jetzt schon bestanden. "Denn was ich denke, das bin ich."

Es war mein Traum, eines Tages vor euch zu stehen und diese Rede, die bestimmt ausbaufähig ist, zu halten. Und er hat sich erfüllt. In den beiden Workshoptagen wollen wir euch unter anderem ermutigen, selbstbewusst und im Bewusstsein eurer ganz besonderen Stärken und Fähigkeiten euren eigenen weg zu gehen und eure persönlichen Träume zu leben. Denn wie bereits Walt Disney wusste: "If you can dream it- you can do it!"

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit.

(Meine erste Rede im Gymnasium Sachsenbrunn; gek.)